"Am Schlimmsten wird’s besser" – Frauenchor Amanda Taktlos feiert 30. Geburtstag

Presseankündigung zu unserem Jubiläumsstück von Dörthe Krohn, www.reinMein.info


   

Fotos : Gisa Hillesheimer/www.visioskop.de

Der Frankfurter Frauenchor Amanda Taktlos wird Ü30 und feiert das Jubiläum mit einem abendfüllenden Programm im Gallus Theater – am Internationalen Frauentag 2013 – wann auch sonst. Denn die frauenbewegten Gründerinnen kannten sich aus politischen Zusammenhängen. Die Geburtshelferinnen des Internationalen Frauenchors von 1981, der erst seit 1994 Amanda Taktlos heißt, waren vier Frauen des türkischen Volkshauses, drei Portugiesinnen und vier deutsche Frauen der Demokratischen Fraueninitiative (DFI). Inge Pauls, bis heute choraktiv, erinnert sich, dass das erste einstudierte Lied eine türkische Übersetzung  von „Und weil der Mensch ein Mensch ist“ (Text: Bertolt Brecht, Musik: Hanns Eisler) war. Erstmals trat der Internationalen Frauenchor 1982 im Friedensbunker in Frankfurt-Bornheim auf. Der Chor verfolgte die Idee des kulturellen Austausches und der interkulturellen Verständigung unter Frauen. 

Diese weltoffene und frauenbewusste Haltung wurde bewahrt und drückt sich auch in der sehr vielfältigen Liedauswahl des Chors aus. Zwischen „Nkosi, sikelel‘ iAfrika“, „Bay mir bistu sheyn“ oder „Nada de turbe“ passen Mozart, Friedrich Hollaender, Georg Kreisler, John Lennon oder eine schottische Volksweise. Doch Chorleiterin Ursula Mühlberger hat ebenfalls ein Auge, viel mehr ein Ohr, auf Komponistinnen und Texterinnen gerichtet. Beispiele sind „Soaring“ (Text: Anne Brontë, Musik: Ruth Elaine Schram) und „Wohin ich immer reise“ (Text: Mascha Kaléko, Musik: Erna Woll). Anregungen holt sie sich u.a. aus dem internationalen Komponistinnen-Archiv Frau und Musik in Frankfurt. 

Ursula Mühlberger nahm Mitte der achtziger Jahre die Herausforderung an, einen Frauenchor zu leiten ohne ihn zu leiten, denn der Chor war basisdemokratisch organisiert, wollte sich weiterentwickeln, jedoch ohne „Frontfrau“. Sie war begeistert von der Verve, mit der die Frauen sangen, anderseits fehlten ein gemeinsamer Anfang und das gemeinsames Ende eines gesanglichen Vortrags. Die Chorleiterin stand anfangs oft einfach zuhörend hinter oder mitsingend im Chor. Irgendwann stellte sie sich dann doch vor die Frauengruppe, um Tipps und Einsätze zu geben. Heute ist sie unumwunden die Chorleiterin von Amanda Taktlos, zugleich ist den Frauen nach wie vor wichtig, Chor-Entscheidungen gemeinsam zu treffen. 

Einsingen mit Ursula Mühlberger ist immer mit ein bisschen Sporteln verbunden, wobei sie genau erklärt, was sich dabei im Körper, vor allem in den stimm- und klangbildenden Zonen tut. Die Amandas singen in der Regel vierstimmig, unterstützt wird aber auch die eine oder andere solistische Ambition. „Amanda mia, 30 Jahre schon, ja, ja. Suchen wir den richtigen Ton.“ scherzen die 22 „taktlosen“ Chorfrauen, doch tatsächlich liefern sie meist nicht nur die richtigen Töne ab – oft von ihrer Chorleiterin, die auch professionelle Sängerin und Pianistin ist, am Klavier begleitet –, sondern sie präsentieren die Lieder.

Ihre Kostümfarbe ist zartrosa bis pink und jede einzelne Frau schlüpft mit ihrem Kostüm in eine Rolle. Von der Putzfrau bis zur Operndiva, von der Charleston-Lady bis zur Handwerkerin reicht die Darstellungspalette. Die Farbe haben die Frauen ihrer Regisseurin Katrin Skok zu verdanken, die einen krassen Gegenentwurf zur ehemals schwarzen Gewandung vorschlug. Dass die „rosa“ Amandas mit Weiblichkeitszuschreibungen spielen, ist mehr als augenfällig. Schon 2005 waren die Kostüme Programm als der Chor „Rosige Zeiten“ und „Rosige Zeiten – reloaded“ auf die Bühne des Gallus Theaters brachte. Auf ihre fröhlich-freche Farbe, Putzfeudel in der linken Hand, Damenhandtäschchen in der rechten, verzichten sie selbst dann nicht, wenn sie beispielsweise, wie in den vergangenen Jahren, auf dem Tag des Friedhofs singen. Ihre nachdenklichen und gefühlvollen Lieder sind ebenso wie die kecken und lauteren Stücke Ausdruck von Lebensfreude. Dabei sehen sie die Welt keinesfalls durch eine rosarote Brille. Denn entweder die Liedtexte selbst sind gesellschaftskritisch oder sie werden so dargeboten, dass ein Raum zum Nachdenken entstehen kann – stets mit Spaß und Augenzwinkern. 

Komikerin, Theaterpädagogin und Regisseurin Katrin Skok beschreibt ihre Arbeit mit den Amandas so: „Sie so nehmen, wie sie sind, das angebotene Potenzial auf mich wirken lassen, es mit der Lupe im Einzelnen untersuchen und dann die eigenen Vorstellungen dem so Erkannten angleichen.“  Sie arbeitet mit einzelnen Frauen, damit sich Körperhaltung und Kostüm zu einem markanten Charakter entwickeln, feilt an der individuellen Bühnenpräsenz, aber vor allem lockt sie mit szenischen Improvisationen, Assoziationsketten und allerlei Übungen für das darstellende Spiel die Gruppe aus ihrer Reserve, denn die handelt schließlich in festgelegter Weise gemeinsam auf der Bühne. 

Amanda Taktlos © Gisa Hillesheimer/www.visioskop.deZu ihrem 30. Jubiläum hat sich Amanda Taktlos den „Tag X“ als Thema vorgeknöpft. Ideengeberin war die US-amerikanische Reality-Serie „Doomsday Preppers“ des National Geographic Channel die zeigt, wie sich Menschen ganz ernsthaft und mit großer Sorgfalt auf den Weltuntergang vorbereiten. Sie rüsten sich und bunkern für den Fall der Fälle, ob dieser nun eine Atomkatastrophe ist, eine Pandemie oder ein ablaufender Maya-Kalender. Grotesk, bizarr – aber jetzt mal ganz im Ernst, was nimmt frau mit an so einem Tag X und worauf kann sie in Zukunft verzichten? Der Tag X steht jedoch auch für jeden möglichen Tag, an dem sich radikal etwas verändert, vielleicht nach dem x-ten Bankenrettungsschirm die tatsächliche Neuordnung der Weltwirtschaft? Die Amandas sind einigermaßen hoffnungsfroh denn sie sind sich sicher: „Am Schlimmsten wird’s besser“.  Sie nehmen sich Abbey Lincolns Worte zu Herzen: “Throw it away/ Throw it away/ Give your love, live your life/ Each and every day. And keep your hand wide open/ Let the sun shine through/ 'Cause you can never lose a thing, If it belongs to you.”



Text: Dörthe Krohn / www.reinMein.info _ Foto Gisa Hillesheimer

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"Ein kurzer Blick auf die Bühne genügt, um zu sehen, dass dies kein gewöhnlicher Chor ist. Denn welche Gesangsgruppe vereint schon die Charaktere der lässigen Großstadt-Lady, der Flamencotänzerin und der naiv wirkenden Adligen? "Am Schlimmsten wir'd besser", so lautet die aktuelle Produktion, darin konzentrieren sich alle 16 Frauen auf den Tag X, den Weltuntergang. Taktlos sei der Chor, weil Takt in der Musik Sturktur reinbringe. Die Chorleiterin Ursula Mühlberger will aber mehr als das. Sie will, dass sich die Dynamik frei entfaltet. Dann stimmt sie Lied an: "Dass es immer bleibt, wie es ist, dass glaubt keiner, niemand ist so dumm". (aus FR vom 9.März 2013)

„... So ist ein charmantes, lebenspralles und nachdenkliches Programm entstanden, das am vergangenen Sonntag im voll besetzten Saal im Gallustheater überschwängliche Begeisterung geweckt hat... Sie wollten die Vielfalt weiblichen Lebens aufzeigen, von der Liebe über die politische Stellungnahme bis zum Drang nach persönlicher Freiheit.” (aus FR vom 17.03.2005)

„Von Flaute war zumindest an diesem Abend nicht viel zu spüren. Die zahlreichen Besucherinnen der Veranstaltung schienen alle begeistert zu sein, klatschten und lachten.”  (aus Main-Spitze vom 23.10.98)

„Allein der Name dieses zwölfköpfigen Frauenchores ist Provokation: Amanda lässt an Altbezopftes denken, was die umtriebigen Sängerinnen in der Altersskala zwischen 25 und 66 beileibe nicht sind...”  (aus Rüsselsheimer Echo vom 23.10.98)

„...Der Frankfurter Frauenchor „Amanda Taktlos” begeisterte mit einer Mischung aus klassischen Chansons und frechen eigenen Texten...”  (aus Rhein Main Presse vom 13.03.1996) 

„Die Frankfurter Frauenband „Amanda Taktlos” sang ganz taktvoll zum Auftakt des Internationalen Frauentages in der Kantine der Frankfurter Rundschau.”  (aus FR vom 08.03.1996)